Gemeinde Muehlhausen im Kraichgau

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Neues aus dem Gemeinderat

Neujahrsempfang und Amtseinführung Jens Spanberger

„Alle Zeichen stehen auf Grün“
Mühlhausener Neujahrsempfang mit Amtsverpflichtung von Bürgermeister Jens Spanberger – Zuversicht, aber auch ernste Töne
 
Mühlhausen. (seb) „Bei uns wird wirtschaftlich gedacht“, stellte Bürgermeister-Stellvertreter Ewald Engelbert in seiner Begrüßung augenzwinkernd fest: Schließlich sei dies eine Gemeinderatssitzung, die Amtsverpflichtung des im Oktober wiedergewählten Bürgermeisters Jens Spanberger und der Mühlhausener Neujahrsempfang mit geselligem Imbiss, „drei Fliegen mit einer Klappe“.
Klang- und teilweise druckvoll von Kraichgau Fanfarenzug Mühlhausen und Musikverein Eintracht Rettigheim im voll besetzten Saal des Bürgerhauses umrahmt, war die Feierstunde von Heiterkeit und Zuversicht geprägt, für ernstere Töne war aber ebenfalls Zeit. Engelbert nahm Spanberger den Eid ab: Treue der Verfassung, Gehorsam den Gesetzen und nach Kräften das Wohl der Gemeinde und ihrer Einwohner zu fördern, gelobte der alte und neue Bürgermeister „so wahr mir Gott helfe“. Engelbert wiederum hob hervor, dass es ein „ehrenvolles Amt, aber nicht einfach“ sei, die verschiedensten Interessen und Notwendigkeiten gelte es, miteinander zu vereinbaren. „Nicht verzagen“, forderte er Zuversicht, man habe in den letzten Jahren viel bewegt und es werde weiter vorangehen. In seine Glückwünsche schloss Engelbert auch ein, dass der Bürgermeister bei all seinen Pflichten auch Erholung finden möge. Anschließend überreichte er Spanbergers Frau Claudia einen Blumenstrauß.
„Schön, wieder hier zu sein“, meinte Landrat Stefan Dallinger und ergänzte angesichts des vollen Saals, dass sich offensichtlich auch die Bürger so wie er in Mühlhausen wohlfühlten. Ihn freue auch, dass die Menschen Spanberger wieder ihr Vertrauen ausgedrückt hätten, er repräsentiere Kontinuität und habe „durch die Wiederwahl seine Meisterprüfung abgelegt“. Das betonte Dallinger, nachdem er die großpolitische Wetterlage mit wichtigen Themen wie Klimaschutz, Sorgen der Landwirte, Mobilität, Ausstieg aus Atom- sowie Kohlekraft und Versorgungssicherheit oder auch Digitalisierung skizziert hatte.
Zu Jens Spanberger direkt sagte Dallinger: „Mir gefällt Ihre ruhige, kompetente, sachliche Art“, wobei er den Zuhörern nicht verschwieg: „Er kann auch beharrlich sein: Wenn er sich etwas in den Kopf gesetzt hat, lässt er sein Ziel nicht aus den Augen.“ Spanbergers Rat sei nicht nur in Mühlhausen, sondern auch im Sprengel und im Kreistag gefragt. „Alle Zeichen stehen auf Grün“, die Bürger seien interessiert und engagiert, die Vereine und andere Gruppen seien sehr aktiv, die Verwaltung sei gut aufgestellt: „Es werden weitere gute acht Jahre“, zeigte Dallinger sich zuversichtlich. Er überreichte Claudia Spanberger ebenfalls einen Strauß und versicherte mit einem Schmunzeln: „Das ist nicht immer derselbe, wir haben drei Blumensträuße hier.“
In seinen Grußworten namens der Gemeinderatsfraktionen drückte Ewald Engelbert den Willen aus, „an einem Strang“ zu ziehen und die anstehenden Aufgaben „mit gebündelter Kraft“ anzugehen, dazu sei man bereit und wünsche sich „eine erfolgreiche Zusammenarbeit zum Wohl der Bürger“. Im Namen der Rathauschefs des Sprengels gratulierte Rauenbergs Bürgermeister Peter Seithel. Man kenne Spanberger als „engagierten, bestens vorbereiteten und sympathischen Kollegen“ und könne Mühlhausen „nur beglückwünschen“. In Anspielung auf den Beifall, den Redner und Musiker erhalten hatten, wünschte er, „dass es auch in euren künftigen Gemeinderatssitzungen so viel Applaus gibt“. Für die Ortsvereine, alle Ortsteile, die Verwaltung und den Tairnbacher Ortschaftsrat überbrachte Rüdiger Egenlauf, Tairnbachs Ortsvorsteher, „herzliche Glück- und Segenswünsche“. Viel Kraft, viele Ideen und Durchsetzungsvermögen wünschte er dem „Kapitän des Gemeindeschiffs“, auf dass es nicht ins Schlingern gerate, und überreichte dem Ehepaar Spanberger Präsente und den dritten Blumenstrauß.
„Sehr gerührt“ zeigte der Bürgermeister sich und dankte allen Anwesenden für die freundlichen Worte und die Unterstützung sowie den Bürgern fürs Vertrauen. Ihnen wünschte er auch alles Gute im neuen Jahr. Er gab Landrat Dallinger recht, dass es momentan „mehr Fragen als Antworten“ gebe und die Sachverhalte in der Politik „immer komplexer“ würden. Doch in Mühlhausen gebe es viele gute Nachrichten, die letzten acht Jahre seien „eine erfolgreiche Zeit für die Gesamtgemeinde“ gewesen.
Ein Zeichen dafür: Die Einwohnerzahl sei von 8300 auf 8600 gestiegen. Das bringe neue Herausforderungen mit sich, in diesem Jahr müsse man sich beispielsweise den Schulen widmen. Doch sei auch die Finanzlage recht gut, so Spanberger. Die Verschuldung liege bei sechs Millionen Euro, die Rücklage sei auf 3,7 Millionen erhöht worden. Und das, obwohl man in seiner ersten Amtszeit rund 34 Millionen Euro in Infrastruktur und Gemeinwesen investiert habe. Ein Grund für die guten Zahlen: Der Mittelstand sei gewachsen, in der Gemeinde gebe es heute 1250 Arbeitsplätze statt wie noch vor wenigen Jahren 900, daher könne man mit einer „beachtlichen Gewerbesteuer“ von 1,6 bis zwei Millionen Euro jährlich rechnen.
Zu den weiteren Schwerpunkten zählte Spanberger die Kinderbetreuung, Klimaschutz, Digitalisierung und erschwinglichen Wohnraum. Zudem seien aus der Bürgerbeteiligung, mehreren Workshops und Foren, zehn konkrete Projekte hervorgegangen. All das müsse man gemeinsam angehen, daher wünschte er sich eine gute Zusammenarbeit und dass man nicht übereinander, sondern miteinander rede. „Es gibt viele Gründe, positiv in die Zukunft zu blicken.“ Zeugnis dafür, dass Mühlhausen an einem Strang ziehe und „das Miteinander in der Gesamtgemeinde lebt“, seien die über 60 örtlichen Vereine, „auf die wir stolz sein können“, sowie Feuerwehr und Rotes Kreuz, die rund um die Uhr bereit stünden, um für die Sicherheit der Menschen zu sorgen. Polizei und anderen Rettungskräften gegenüber zeigte Spanberger sich ebenfalls dankbar.
Ein ernstes Anliegen war dem Bürgermeister der Schutz der Rettungskräfte selbst sowie der Gemeinderäte, Bürgermeisterkollegen und andere Amtsträger, die sich mitsamt ihrer Familien zunehmend Pöbeleien, Anfeindungen, direkten Bedrohungen und sogar Attacken ausgesetzt sehen. Heute sei die Hemmschwelle niedriger, nicht nur, aber besonders in Internet und sozialen Medien werde gemobbt, „Vorurteile, Hass und Gewalt verbreiten sich wie Lauffeuer“. Zwar sei diese Entwicklung in Mühlhausen und Umgebung noch nicht stark ausgeprägt. Doch müsse man auf die „Alarmzeichen“ achten und sich „immer wieder aufs Neue für unsere freiheitlich-demokratische Grundordnung und den sozialen Zusammenhalt“ einsetzen. Dafür müsse die Politik den Grundstein legen und die Rahmenbedingungen schaffen, das habe auch er sich vorgenommen.