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Der Keltenfriedhof auf dem Schleeberg - ein Kulturdenkmal ersten Ranges

Der Keltenfriedhof auf dem Schleeberg – ein Kulturdenkmal ersten Ranges

2700 Jahre alte Hügelgräber erzählen von der Geschichte der „Hallstätter“ von Mühlhausen / Infotafel und Schutzhütte übergeben


Mühlhausen rka -  Wer heute einen Spaziergang von Mühlhausen aus in den Wald auf den Schleeberg macht, dem werden vielleicht abseits der Waldwege die von Bäumen bewachsenen, kreisrunden Erdhügel aufgefallen sein. Sie sind Teil eines Friedhofs aus der Hallstattzeit ( 850 bis 470 v. Chr.) auf der Kuppe des Schleebergs, der hier mit 224 Metern seine größte Höhe erreicht. Südlich und westlich der Bergkuppe liegen 76 bestätigte und ein vermuteter Grabhügel. Weil das Gelände des Gräberfelds nie landwirtschaftlich genutzt wurde, sind die Grabhügel noch vollständig erhalten. Großes Interesse an diesem „Kulturdenkmal von besonderer Bedeutung“ zeigte im letzten Jahr das Regierungspräsidium, das in Person von Dr. Günther Wieland vom Landesamt für Denkmalpflege im Regierungspräsidium Stuttgart, begleitet von Bürgermeister Jens Spanberger und Förster Bernd Niederer den historisch bedeutsamen Ort in Augenschein nahm.
 
Anders als in früheren Zeiten herrscht inzwischen bei der Behörde die Meinung vor, dass solche Kulturdenkmäler „nicht versteckt, aber auch nicht vermarktet“ werden sollen. Deshalb wurde jetzt im Wald auf der Kuppe des Schleebergs, wo sich die Wege nach Östringen, Angelbachtal und Mühlhausen kreuzen, eine überdachte Sitzgruppe mit einem stabilen Tisch aufgestellt, eine Hinweistafel liefert Informationen und Skizzen über das Gräberfeld. Dorthin hatte die Gemeinde zu einer Waldbegehung mit Einweihung der Schleeberghütte und Enthüllung der Infotafel über die keltischen Grabhügel eingeladen. Mehr als 60 Bürgerinnen und Bürger sowie Gäste aus der Region waren der Einladung gefolgt und wurden von Bürgermeister Jens Spanberger an dieser „historischen Kulturstätte, einem besonderen Schatz der Gemeinde“ begrüßt.  „Landesweit einmalig“, so die Feststellung von Dr. Wieland vom Landesamt für Denkmalpflege, sei dieser Keltenfriedhof. Deshalb genieße dieses Kulturgut „höchsten Denkmalschutz“. Außerdem sei der „Friedhof“ über 2700 Jahre im Wald „konserviert“ worden.
 
Dr. Wieland würdigte vor allem das „vollständig erhaltene Kulturdenkmal von besonderer Bedeutung“, das deshalb „oberste Schutzpriorität“ genieße. Das sei ein Grund, warum Windräder an diesem Ort nie errichtet werden dürfen. Die Nachforschungen zeigten, dass die 76 Hügelgräber noch älter sind als die Hochdorfer Fürstengräber. Die Anlage der Gräber deutete auch darauf hin, dass man die Grabhügel nach Sippenzugehörigkeit und sozialer Rangordnung angelegt habe. Um weitere Rätsel zu lösen, müsse man einen solchen Friedhof komplett ausgraben und die Funde auswerten. Dem widerspreche allerdings die „Erhaltungspflicht für die Nachwelt“ im Originalzustand. Auch das sei Sinn und Aufgabe der Denkmalpflege. An einem solchen historischen Ort könne man der Bevölkerung ihre lange Geschichte näher bringen und greifbar machen.
 
Beim Lokaltermin mitten im Buchenwald bildeten die Besucher einen großen Kreis um einen der eindrucksvollsten und größten Grabhügel und waren beeindruckt vom Durchmesser eines Grabs, das nach Aussage von Dr. Wieland eine Belegungszeit von ungefähr 400 Jahren hatte. In der frühen Hallstattzeit überwogen noch die Brandbestattungen, wobei der Leichenbrand mit den Scheiterhaufenresten und den verbrannten Textilien in eine Kammer eingestreut oder in Urnen bestattet wurde, wie sie im Museumshaus zu besichtigen sind. Bei kleinen Brandgräbern am Rand der Hügel dürfte es sich um die Begräbnisform einer sozial unteren Schicht handeln, während im Zentrum des Hügels die Spitze der sozialen Gesellschaft ihre letzte Ruhestätte fand.
 
Bereits seit der Mitte des 19. Jahrhunderts wusste man in Mühlhausen um die Existenz dieser Grabhügel. Denn im Mai 1851 waren dem Vorstand der Bezirksförster Wiesloch, Schilling, bei einem Dienstgang im herrschaftlichen Wald zusammen mit Bürgermeister Johannes Fellhauer und Waldhüter Schneider fünf dicht mit Eichen, Buchen und Sträuchern bewachsene Erdhügel aufgefallen, die wegen ihrer abgerundeten, regelmäßigen Form für „vorchristliche Grabhügel“ gehalten wurden. Mit Genehmigung der „Direction der Forste, Berg- und Hüttenwerke“ in Karlsruhe ließ Schilling darauf hin im April 1852 einen dieser Hügel durch Sträflinge vorsichtig durchgraben, doch ohne Erfolg. „Allein, es hat sich hierbei keine Spur von Überresten heidnischer Gräber und Altertümer vorgefunden“, so schreibt er in einem Brief. Die Grabungen wurden eingestellt, zumal die Forstdirektion und auch der zuständige „Altertumsverein“ in Sinsheim nicht zu bewegen waren, weitere Kosten für Grabungen zu übernehmen.
 
Erst 51 Jahre später, im Juni 1903, wurden vom badischen Denkmalpfleger Ernst Wagner sechs Grabhügel wissenschaftlich untersucht. Die 76 Grabhügel haben Durchmesser zwischen 9 und 23 Meter und sind 1 bis 1,5 Meter hoch. Außer einigen Knochenresten barg Wagner zahlreiche Tonscherben, darunter von einer braunen, bauchigen Urne mit ziemlich einfachen Verzierungen über dem Schulterknick. Darüber hinaus fand er ein kleines, bauchiges Tongefäß, ferner eine vollständig erhaltene, kleine Tonschale aus grauem Material und ein geschlagenes Stück Feuerstein. In einem anderen Grab wurden zwei massive, geschlossene Bronzearmringe und ein offener Ring gefunden, jedoch keine Knochenreste. Ein weiteres Grab enthielt neben Scherben von Tongefäßen das Endstück eines kleinen Beils aus Stein.
 
In allen untersuchten Gräbern hatten die Wurzeln der Bäume die menschlichen Knochen fast vollständig zerstört. Die Tatsache aber, dass in einem Grab Knochenreste gefunden wurden, lässt daraus schließen, dass es sich um Körper- oder Brandbestattungen handelt. Bedenken sollte man auch, dass die Menschen dieser Zeit ihre Toten oft in bereits vorhandene Grabhügel senkten, die Hügel dienten also mehreren Generationen als Grabstätte. In die Tongefäße legten die „Hallstätter“ reichlich Gaben für das ungetrübte Leben ihrer Verstorbenen im Jenseits, vor allem Speisen und Getränke. So spiegelt also die Sitte, Tote mit Grabbeigaben zu bestatten, den Glauben an ein Leben nach dem Tode in verschiedensten Facetten wider.
 
Wer waren nun diese „Hallstätter“ von Mühlhausen? Wo und wie lebten sie? „Über die Lage der zugehörigen Siedlung lässt sich nur spekulieren“, so Dr. Wieland. Sicher nicht im sumpfigen Angelbachtal, sondern im „hochwassersicheren Bereich“ über dem Tal, möglichst an einer Wasserstelle. Da die Menschen ihre Behausungen komplett aus Holz bauten und mit Stroh oder Schilf deckten, dürfte so gut wie nichts vom Dorf übrig geblieben sein. Auf jeden Fall handelte es sich um eine „bäuerliche Siedlungsgemeinschaft“ ohne besonderen Wohlstand. Üblicherweise lagen die Gräber in der Hallstattzeit etwas abseits der Siedlungen. Um die Lage des Weilers zu lokalisieren, müsste man sicher noch weitere Gräber auf dem Schleeberg untersuchen. Die Grabfunde auf dem Schleeberg erzählen uns auch von Töpfern, die mittelmäßige, etwas grob gearbeitete Gefäße herstellten. Die bauchigen Tonwaren wurden den Toten mit ins Grab gegeben und vermutlich speziell für die Begräbnisfeier hergestellt, waren also „Geschirr fürs Jenseits“. Die Bestattungen lassen auch den berechtigten Schluss zu, dass die Menschen arm waren, weil in der Gräbern Beigaben wie Waffen und Werkzeuge fehlen.
 
Festzustellen ist, dass das Gräberfeld auf dem Schleeberg eine Rarität darstellt. Denn aus der Hallstattzeit – benannt nach dem Ort Hallstatt in Österreich – sind nur wenige Funde bekannt. Nachgewiesen ist, dass zu dieser Zeit in unserer Region weniger Menschen lebten als zuvor. Ein Grund ist in der deutlichen Klimaverschlechterung in weiten Teilen Europas zu suchen. Umso sensationeller ist es, dass hier oben auf dem Schleeberg sich ein Friedhof aus der Hallstattzeit erhalten hat, dessen Funde heute zum Teil im Museumshaus zu besichtigen sind. Förster Bernd Niederer, der den Mühlhäuser Wald betreut, sprach vor den Besuchern über die Bedeutung des Waldbodens, der in diesen 2700 Jahren ständig gewachsen ist und mindestens 15 Generationen von Bäumen erlebt hat. Sicher hätten die Menschen damals ihre Umwelt anders gesehen, erlebt und genutzt. Trotz des regnerischen und kalten Aprilwetters blieben viele Besucher beim gemütlichen Beisammensein noch eine Weile beisammen und ließen sich vom Personal des Bauhofs bewirten.

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